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2.5.1 Stress und Schmerzen

Christopher 19. April 2021

Bereits die Anzahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen verdeutlicht die Relevanz der Beziehung von Stress und Schmerzen. So finden sich über 34.000 Studien, die den Einfluss von Stress auf Schmerzen untersuchen. Die hohe Anzahl belegt dabei, wie ernst dieses Gesellschaftsthema in den letzten Jahren geworden ist.

Im Rahmen der IFT betrachten wir Stress und Schmerzen als zwei Seiten derselben Medaille. Ein Mensch der langjährig unter Schmerzen leidet, ist zugleich einem Stressreiz ausgesetzt, der im vegetativen, neurophysiologischen Nervensystem und den zentralen Schmerzregionen des Gehirns verankert ist. Berücksichtigt man die enge Beziehung von Stress und Schmerz zueinander, erscheint es sinnvoll sich beiden Themen gleichermaßen zu widmen.

Betrachten wir diese Verbindung etwas genauer:

Stellen wir uns eine Person vor, die einem Stressor ausgesetzt ist. Dies können Stresssituationen des Alltags oder auch Schmerzsituationen wie bspw. ein Unfall sein. Stressoren können dabei Einzelfall-Situationen darstellen oder graduell über die Zeit entstehen. Unabhängig von dessen Quelle führt Stress zu einer, durch das Vegetative Nervensystem bestimmten, dauerhaften Muskelkontraktion. Bei längerem Bestehen dieser Kontraktion verringert sich die Durchblutung im Gewebe und die Hydration des Fasziengewebes wechselt von einem alkalischen in ein saures Milieu. Dies mündet in eine Unterversorgung des myofaszialen Systems, Triggerpunkte können durch ein überaktiviertes sympathisches System aktiviert werden. Es werden vermehrt Stress- und Schmerzhormone sowie Entzündungsbotenstoffe ausgeschüttet – Schmerzreize werden an das Gehirn gesendet. Das Schmerzverarbeitungssystem im Gehirn verändert sich durch Aktivierung der Amygdala – hin zu mehr Schmerzsensibilität. Es entsteht eine Kettenreaktion: Das Gehirn versucht die Schmerzreize zu verarbeiten und bringt eine sensomotorische Amnesie – eine Art Schutz-Kontraktion und Bewegungs und Wahrnehmungs Armut – in die Gliedmaßen. Diese können bei längerem Bestehen wiederum ihrerseits Schmerzreize erzeugen, die zunächst unterschwellig im Hintergrund arbeiten. Der Schmerz wird chronisch. Über die Zeit bemerkt die Person die verschiedenen psychophysiologischen Veränderungen, welche ihrerseits wieder Stress auslösen, sodass der Kreislauf von Neuem beginnt. Die Person gelangt in einen Teufelskreis, der neben Stimmungsschwankungen und einem Verlust des Selbstwerts bis zur Depression führen kann.

Dieser Stress-Schmerz-Kreislauf verdeutlicht, dass Stressoren Kettenreaktionen auslösen können, die es Stress- und Schmerzreizen ermöglichen, sich langfristig im neurophysiologischen System zu manifestieren. Zugleich finden sich verschiedene Ebenen, wie wir in diesen Stress-Schmerz-Kreislauf eingreifen können. Ansätze der IFT beruhen daher auf einem ganzheitlichen Konzept, indem das myofasziale als auch das neurophysiologische System angesprochen wird. So kann der obig beschriebene Teufelskreis effektiv durchbrochen werden.